Was die Uni mit Politik zu tun hat

Der Mangel an Studienplätzen in diesem Semester liefert einen Vorgeschmack auf das, was alle erwartet, die ihren Studiengang wechseln oder sich für ein Masterstudium bewerben wollen. NCs können Lebensträume zerstören. Je weniger Studienplätze, desto höher die NCs. Und wie viele Studienplätze geschaffen werden, ist eine politische Entscheidung.

Bildung ist ein Menschenrecht und keine Ware und darf nicht auf die Produktion von Arbeitskräften reduziert werden. Doch genau das haben die Bildungsreformen des letzten Jahrzehnts bewirkt. Hochschulen sollen „unternehmerisch“ handeln und um Forschungsgelder von Unternehmen konkurrieren. Die Lehre ist demgegenüber
ein lästiges Anhängsel, da sie keinen Gewinn abwirft. Der kapitalistische Konkurrenzkampf wird als Wundermittel betrachtet, das gleichsam wie eine „unsichtbare Hand“ den Universitäten und ihren Angehörigen den rechten Weg weist. Folgerichtig erhalten Privatunternehmen immer mehr Einfluss:

Mit dauerndem Leistungsdruck und begrenztem Zugang zum Master machen die Hochschulen Bachelor-Studierende zu eingeschüchterten Schmalspur-Akademiker-
Innen – für ihre zukünftigen ArbeitgeberInnen billiger zu haben und „formbar“.

Diese Auslese trifft MigrantInnen und Studierende aus nicht akademischen Familien am härtesten. Die Uni von heute ist nicht nur sozial ungerecht, sondern schlichtweg ungesund: Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist der Antidepressiva-Konsum
von Studierenden in den letzten Jahren um 50% gestiegen.

Der SDS fordert deswegen:

- Studienplätze und Master für alle

- Selbstbestimmtes Lernen statt Prüfungsdruck

- Hochschulrat abschaffen und mehr Mitbestimmung für Studierende und HochschulmitarbeiterInnen

- Hochschulen vollständig öffentlich finanzieren

Allerdings sind die Hochschulen keine Inseln, und die politischen Auseinandersetzungen, die hier stattfinden, gehören zum gesamtgesellschaftlichen Konflikt zwischen kapitalistischer Profitmaximierung und dem Wohlergehen der Mehrheit. Deshalb können die Studierenden ihre Interessen nur durchsetzen, wenn sie Teil einer breiten sozialen Bewegung sind – wie in Chile, Griechenland und Israel.

Mit den letzten Bildungsstreiks konnte die Abschaffung der Studiengebühren in Hessen und NRW erkämpft werden. Diesen Herbst finden in vielen Städten Deutschlands wieder gemeinsame Proteste von Studierenden, SchülernInnen und Auszubildenden statt.

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